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Erdbeben! – Was geht’n?

Traveltipps und Wissenswertes rund ums Thema Erdbeben in Chile

In kaum einem anderen Land bebt es so häufig wie in Chile. Kleinere Beben werden mehrmals täglich registriert. Je nach Lage des Epizentrums und Stärke nimmt man das Beben dann selbst wahr. Die Chilenen sind deshalb an die ständige Gefahr gewöhnt und arrangieren sich damit. Im Moment erlebe ich ca. wöchentlich ein Beben. Deshalb gibt es nun allgemeine Infos und Verhaltenstipps für den Ernstfall.

Erdbeben! – Was geht’n?
In [Chile] geht ein Beat um.
Vom schicksten Villenviertel bis in die Sozialbausiedlung.

#FettesBrot

Tektonische Ursachen

Chile ist ein schmales, aber unglaublich langes Land. Die Küste erstreckt sich über ca. 4.300 km Länge entlang des Pazifischen Feuerrings. Ein Vulkangürtel im Pazifischen Ozean, der auch eine Erdbebenzone bildet. In Küstennähe verläuft zudem die Grenze zwischen Nazca- und Antarktischer Erdplatte sowie im Osten die Südamerikanische Platte (chilenisches Festland). Dazu ebenfalls im Osten die massiven Anden, die die Spannung in der Erdkruste „begünstigen“. Diese Platentektonik sorgt für „Reibung“ an den Grenzschichten, die sich in Vulkanausbrüchen oder Erdbeben entlädt. Somit ist Chile auf dem Festland durch Erdbeben und Vulkanausbrüche bedroht. Die Bewohner in Küstennähe zusätzlich noch durch Tsunamis, die durch Seebeben ausgelöst werden.

Temblor oder Terremoto?

Ich habe bereits zuvor die Bekanntschaft mit Erdbeben machen dürfen, bin aber bei weitem kein Experte. Meine Erfahrungen beziehen sich auf eher leichte „Temblors“ (Span.: Zittern). Als „Temblor“ bezeichnet der Chilene ein schwaches Erdbeben. „Temblors“ dauern meistens nicht mehr als zehn Sekunden und die Stärke liegt ca. zwischen 3,5-6 auf der Richterskala. Es ist also ein schwaches, aber spürbares Erdbeben, das aber keine Schäden anrichtet. Ein „Temblor“ bringt einen Chilenen nicht großartig aus der Fassung. Man unterbricht vielleicht kurz seine Unterhaltung, prüft die Umgebung, in der man sich befindet, auf potenzielle Gefahren (z.B. herunterfallende Teile) und setzt dann seinen Alltag fort.
Aus einem „Temblor“ kann sich aber auch ein „Terremoto“ (Span.: Erdbeben) entwickeln. Von einen „Terremoto“ spricht man, wenn das Beben länger als zehn Sekunden dauert und deutlich stärker ist. Die Beben beginnen meistens leicht und werden dann, manchmal auch schlagartig, stärker. Deshalb spüren Tiere z.B Hunde meistens früher das Beben als Menschen. Man selbst kann es aber auch „vorhersehen“. Ich saß z.B. bei den letzten beiden „Temblors“ an meinem Schreibtisch. Die Tischplatte überträgt die Schwingungen und auch am Wasser im Glas konnte man die Erschütterungen sehen.

Sicherheitsvorkehrungen für den Fall der Fälle

Anders als das Eintreffen eines Tsunami, kann man Erdbeben nicht vorhersagen. Wissenschaftler können lediglich eine Wahrscheinlichkeit prognostizieren. Für Chile liegt die Wahrscheinlichkeit ständig bei nahezu 100 %. 😀 Wie schon erwähnt, ist man in Chile unglaublich „routiniert“ im Umgang mit Erd- oder Seebeben. Alle Häuser sind entsprechend konstruiert und haben bereits etliche größere und unzählbare kleinere Beben überstanden. So bedrohlich es auf einen „Laien“ wie mich auch wirkt, es gibt eigentlich keinen Grund zur Besorgnis. Sollte sich dennoch wie in den apokalyptischen Prophezeiungen einmal die Erde auftun und alles verschlingen, dann sind wir wohl alle nicht mehr zu retten…
In chilenischen Haushalten lassen sich ein paar Beobachtungen machen, die auf den ersten Blick etwas komisch erscheinen, bei genauerem Hinsehen jedoch durchaus nachvollziehbar und logisch sind. So werden zum Beispiel Rohr- und Elektroleitungen häufig nicht unter Putz verlegt. Das sieht zunächst etwas „hässlich“ aus. Bei einem Beben können Leitungen abreißen oder ein Leck sich bilden. Diese können dann leichter entdeckt oder repariert werden.
Betritt man eine chilenische Küche, stellt man fest, dass viele zerbrechliche Gegenstände immer in den unteren Schränken und Schubläden gelagert werden. Das nervt zwar ein bisschen, da man sich beim Kochen ständig bücken muss, hat aber den Vorteil, dass die Gegenstände, sollten sie einmal fallen, aus einer geringeren Höhe auf den Boden fallen. Außerdem sollte man sämtliche Schranktüren immer geschlossen halten. In Wohn- oder Schlafräumen fällt auf, dass die Wände für meinen Geschmack etwas kahl wirken. Bilder usw. werden häufig aufgehängt. Aber selten große Regale und schon gar nicht mit schwerer Beladung. Lampen werden natürlich an der Decke angebracht. Ist es aber eine große oder schwere Deckenlampe, wird diese noch zusätzlich mit einer Art „Fallsicherung“ gesichert. Viele hängen ungern Lampen direkt übers Bett oder Ess- oder Wohnzimmertisch bzw. der Couch. Diese ganzen einrichtungstechnischen Maßnahmen, sollen im Ernstfall die Bewohner vor Verletzungen durch herabstürzende Teile sichern bzw. im Fall der Küche den Schaden am Familien-Porzellan geringhalten.

Verhaltenstipps während eines Erdbebens

Wie gesagt, Erdbeben kann man nicht vorhersehen, man muss es über sich ergehen lassen. Alle Verhaltenstipps kann man sicherlich nicht während eines Bebens berücksichtigen und umsetzen. Es hilft jedoch sie im Hinterkopf zu haben.
Das wohl wichtigste ist Ruhe zu bewahren und nicht wild kreischend herumzurennen (kein Scherz, alles schon erlebt). Kindern und schwächeren Helfen. Kinder vor allem beruhigen und schwächeren Helfen sich in Sicherheit zu bringen. Was ist eigentlich der sicherste Ort während eines Bebens? Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich sind aber in Chile die sichersten Orte während eines Bebens das eigene Zuhause oder große freistehende Plätze mit wenig Bebauung. Ist man in seinen eigenen vier Wänden, lauern dort trotzdem so manche Gefahren. Während eines Bebens sollte man sich nicht in der Nähe von Fenstern aufhalten. Durch den Druck im Mauerwerk kann das Glas bersten. Hat man Gelegenheit und es beginnt eher sanft, dann sollte man Fenster und Türen öffnen und offenstehen lassen. So verklemmen sie sich nicht und schneiden einem nicht den Fluchtweg ab. Außerdem ist die Gefahr von Glasbruch geringer. Bei einem starken Beben sollte man, falls möglich, das Gebäude verlassen. Befindet man sich in einem Hochhaus, höher als das 20. Stockwerk ist das sicherste sich mit dem Rücken an eine Wand auf den Boden zu setzen und abzuwarten. Die Gebäude beginnen nämlich sehr stark zu schwanken. Das Schwanken hält auch nach dem Beben noch bis zu mehreren Minuten an. Wer das Gebäude verlässt oder sich gerade im Freien befindet, sollte sich in Acht vor Oberleitung oder Bäumen nehmen. Wer die Gelegenheit hat, sollte sicherheitshalber Gas und Wasser abstellen oder nach einem starken Beben das Leitungssystem prüfen. In Küstennähe kann es im Anschluss an ein Beben zu einem Tsunami kommen. Deshalb sollte man sich entsprechend informieren. Eine alte Regel der Einheimischen lautet: Kannst du dich während des Bebens nicht mehr auf den Beinen halten, dann lass alles stehen und liegen und auf (“um dein Leben”) in höhere Gebiete. In den Straßen gibt es immer grüne Schilder, die einen den Weg in höhergelegene und sichere Gebiete zeigen. Diesen muss man folgen, bis man die sichere Höhe erreicht hat. Dort wartet man dann mit anderen Bewohnern. Meistens befinden sich in der Nähe Kiosks, Bars und Restaurants, die das Warten etwas angenehmer machen 😉

tsunami-evacuacion

Tsunami Ruta de Evacuación

Wie fühlt sich ein Erdbeben eigentlich an?

Ich bin kein Erdbeben-Experte und möchte es auch nie werden. Anders als so mancher Chilene erzeugt auch ein kleines Beben bei mir einen kleinen Schock und etwas Angst. Wenn man nicht gerade im Schlaf oder beim Autofahren von einem Beben überrascht wird, dann kann man den Beginn evtl. wahrnehmen. Es fühlt sich an wie leichte Erschütterungen, so als würde jemand ganz dumpf auf dem Boden trampeln. Oder bisschen wie in der Szene von Jurassic Park, als das Wasser in den Gläsern sich beginnt zu bewegen. 😉 Anschließend fühlt es sich kurz für vielleicht ein oder zwei Sekunden wie eine Stille an. Die Ruhe vor dem Sturm… Dann beginnt ein lautes Brummen. Es brummt und man hört z.B. da Glas der Fenster vibrieren. Als würde jemand leicht, aber ganz schnell hintereinander immer ans Fenster klopfen. In dieser Phase kann man eigentlich nichts Weiteres tun, als sich sowie die Menschen und Tiere in seiner Umgebung, falls noch nicht geschehen, in Sicherheit zu bringen, abzuwarten und hoffen, dass es bald vorbei ist und nicht stärker wird. Lustig ist, dass die Chilenen dann auch immer sagen „es hört gleich auf, es hört gleich auf, …“, weil sie das auch immer von ihren Eltern so gesagt bekommen haben als sie klein waren. Die Wahrheit ist jedoch, dass man niemals weiß wann es aufhört und ob es nicht noch zu Nachbeben usw. kommt. Man muss es einfach über sich ergehen lassen…

Pura Vida!

P.S.: In Chile gibt es ein Getränk, das Terremoto heißt. Wäre nicht der Pisco das Nationalgetränk der Chilenen, dann wohl Terremoto. Es ist ein Cocktail aus Weiswein und Fernet Branca dazu Grenadine und eine Eiskugel, der einen ganz schön ins Wanken bringen kann. Wie bei einem Erdbeben eben. 😀

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Terremoto chileno (bebida)

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One thought on “Erdbeben! – Was geht’n?

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